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AFM+E erwartet steigende Kraftstoffpreise

Die Beimischung von nachhaltigen Biokomponenten in fossilen Kraftstoffen leistet einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Verkehr – doch sie sind ein rares und teures Gut. Der Außenhandelsverband für Mineralöl und Energie (AFM+E) geht deshalb davon aus, dass sich der Diesel- und Benzinpreis bei gleichbleibendem Ölpreis bereits zum Jahreswechsel an den Tankstellen zusätzlich zur erhöhten CO2-Abgabe verteuern wird.

Der Anteil von Biokomponenten im Kraftstoff wird in den kommenden Jahren EU-weit per Gesetz kontinuierlich erhöht werden müssen, um die ambitionierten Vorgaben zur Senkung von CO2 im Verkehr einhalten zu können. Als Folge ist damit zu rechnen, dass Nachfrage und Angebot weiter aus dem Lot geraten, da die Produktionskapazitäten von gesetzlich geforderten Biokraftstoffen der zweiten Generation nicht in der benötigten Geschwindigkeit ausgebaut werden können. „Die daraus resultierende begrenzte Verfügbarkeit führt bereits heute zu Preisen, die um den Faktor vier höher liegen im Vergleich zu konventionellen, erdölbasierten Kraftstoffen. Die Preisspirale wird sich bei steigender Nachfrage weiter nach oben schrauben“, schätzt Dr. Hans Wenck, Geschäftsführer des AFM+E, und ergänzt: „Unter den derzeitigen Bedingungen werden die Autofahrer, insbesondere die Pendler, aber auch Bürger mit Ölheizung, künftig sehr stark belastet. Es wäre sehr hilfreich, wenn der Gesetzgeber den Rahmen für erhöhte Biokraftstoffbeimischungen schafft, um in der Wahl der mittelständischen Energieversorger höhere Biobeimischungen zu erlauben. Damit wären weitere Instrumente geschaffen, um die sinnvolle Erhöhung der THG-Quote kostengünstiger zu erfüllen.“

„Nur mit batteriebetriebenen Fahrzeugen können wir die Verkehrswende nicht schnell genug bewerkstelligen“, ist Wenck überzeugt. Um ihren Beitrag zur Energiewende leisten zu können, fordern die mittelständischen Kraftstoffhändler deshalb, dass der Gesetzgeber – zumindest vorübergehend – eine größere Vielfalt und größere Anteile von heute in größeren Mengen verfügbaren Biokraftstoffen zulässt. Dies wären beispielsweise die Ester von Rapsöl oder Sojaöl. Nur so lassen sich Lieferengpässe und damit steigende Kraftstoffpreise vermeiden. Zudem wird Zeit für den Aufbau von Produktionskapazitäten gewonnen. Außerdem sollten strombasierte synthetische Kraftstoffe als CO2-neutrale Kraftstoffe klassifiziert werden, um Anreize für Investitionen in Produktionsanlagen für diese umweltfreundlichen Kraftstoffe zu schaffen und damit einen schnellen Markthochlauf zu ermöglichen. So könnte beispielsweise Solarenergie in Nordafrika oder Windenergie in Südamerika mit Wasser und atmosphärischem CO2 in E-Fuels umgewandelt werden. Hergestellt aus erneuerbarer Energie sind diese flüssigen Kraftstoffe CO2-neutral, leicht zu transportieren und direkt in der vorhandenen Infrastruktur und Fahrzeugflotte einsetzbar. „Gemeinsam mit Elektromobilität und Wasserstoff können E-Fuels eine wesentliche Säule nachhaltiger Mobilität von morgen bilden“, betont der AFM+E-Geschäftsführer.

Hintergrund:

Der Verkaufspreis von Diesel und Benzin setzt sich aus den folgenden Komponenten zusammen: Der Warenwert ohne Steuern (Preis für die Exploration, für Rohöl, für die Verarbeitung und den Transport) unterliegt unter anderem der weltweiten Konjunktur und den Preisschwankungen auf dem Erdölmarkt, die beispielsweise abhängig sind von der Nachfrage und der Fördermenge. Hinzu kommt die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer), die bei Benzin bei 0,6545 Euro, bei Diesel bei 0,4704 Euro je Liter liegt. Seit Anfang 2021 wird zudem im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) eine CO₂-Bepreisung vorgenommen. Diese beträgt bei Benzin aktuell sechs Cent und steigt 2022 auf sieben Cent. Bei Diesel sind es sieben Cent, ab 2022 acht Cent (Quelle: Deutsche Emissionshandelsstelle, dehst.de). Eine weitere Komponente ist die Erdölbevorratungsabgabe (Benzin: 0,003 Cent, Diesel: 0,0002 Cent). Auf den sich daraus ergebenden Nettoverkaufspreis kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Rechenbeispiel: https://www.bft.de/daten-und-fakten/benzinpreis-zusammensetzung

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Dr. Hans Wenck
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